Stechmücken - Wie sie leben und warum sie uns stechen
Nicht nur in den warmen Sommermonaten sind sie uns lästig: die Stechmücken. Zu den Stechmücken gehört aber nur ein Teil der Mücken. Es gibt weltweit über 3700 verschiedene Arten von Stechmücken. In Europa kommen 104 Arten vor, in Deutschland etwa 50.
Durch die Klimaveränderungen kommen bei uns immer mehr Arten vor, die bisher hier keine Überlebenschancen hatten.
Inhaltsverzeichnis
- Aussehen der Mücke
- Stechmückenarten
- Warum heben Mücken im Sitzen ihre hinteren Beine?
- Warum stechen Mücken? Was passiert bei einem Stich?
- Mückeneier
- Die Mückenlarve
- Das Leben der Mücke
- Was machen Mücken im Winter?
- Invasive Arten
- Mücken als Überträger von Krankheiten
- Wie kann man sich vor Mücken schützen?
- Citizen Science-Projekt: Mückenatlas
Aussehen der Stechmücke
Stechmücken sind Insekten. Sie besitzen 6 lange Beine und zwei Flügel. Die Weibchen besitzen spezielle Mundwerkzeuge, mit denen sie durch Haut stechen und Blut saugen können.
Die verschiedenen Stechmückenarten sind unterschiedlich groß, meistens haben sie eine Körperlänge von 3 bis 9mm, selten auch bis 15mm. Der Körper wird, wie bei allen Insekten, in Kopf, Brust und Hinterleib unterteilt.
Stechmückenarten
Weltweit gibt es mehr als 3700 Arten von Stechmücken. Sie sind über die ganze Welt verteilt, mit Ausnahme der Antarktis.
Die Familie der Stechmücken ist also sehr groß. Sie wird wieder in mehrere Gruppen unterteilt, die Gattungen genannt werden. Wie diese Einteilungen in der Biologie funktionieren erkläre ich dir hier.
Die häufigsten Gattungen (mit Beispielen) sind:
- Culex: Hausmücken, Gemeine Stechmücke
- Culiseta: Ringelmücke (Große Hausmücke), Wintermücken
- Aedes: Auwaldmücken, Tigermücken, Buschmücken
- Anopheles: Malariamücken
Die häufigsten in Deutschland vorkommenden Arten sind die Gemeine Stechmücke und die Ringelmücke. Aedes- und Anopheles-Arten kommen hauptsächlich in tropischen Gebieten und nur vereinzelt in Deutschland vor.
Die einzelnen Gattungen unterscheiden sich in ihrem Aussehen, Vorkommen und Verhalten. Das kann man sehr gut an folgender Tabelle erkennen.
| Culex | Culiseta | Aedes | Anopheles | |
| Aussehen | meist unauffällig grau/braun | meist größer und kräftiger | häufig unauffällige, helle Zeichnung | meist braun, oft mit gefleckten Flügeln |
| Größe | meist 4-8mm | oft 6-10mm, meist größer | meist 4-8mm | 5-7mm |
| Beine | meist ohne helle Ringe | meist ohne auffällige Ringe | häufig helle Ringe | meist ohne auffällige Ringe |
| Körperhaltung beim Sitzen | gerade, Körper parallel | gerade, Körper parallel | gerade, Körper parallel | Hinterleib deutlich abgewinkelt |
| Aktivität | Abends und Nachts | Abends und Nachts | Tagsüber und in der Dämmerung | Abends und Nachts |
| Lebensraum | Siedlungen, Gärten, Gewässernähe | feuchte Gebiete, Siedlungen, Gewässernähe | Wälder, Auen, Gärten, Siedlungen | Feuchtgebiete, Wiesen, Siedlungen |
| Eiablage | Eischiffchen auf dem Wasser | Eischiffchen auf dem Wasser | einzeln knapp oberhalb der Wasserlinie (überstehen Trockenheit) | einzeln mit seitlichen Schwimmkörpern |
| Larvengewässer | stehende Gewässer, auch kleine | größere, dauerhafte Gewässer | je nach Art | stehende Gewässer |
| Vorkommen in Deutschland | sehr häufig | mehrere Arten | mehrere Arten | mehrere Arten |
| Überwinterung | erwachsenes Weibchen | erwachsenes Weibchen | je nach Art als Ei oder Weibchen | je nach Art als erwachsenes Weibchen oder Ei/Larve |
Warum heben Mücken im Sitzen ihre hinteren Beine?
Vielleicht ist dir auch schon aufgefallen, dass eine sitzende Mücke ihre beiden hinteren Beine nach oben hebt und diese keine Berührung mit der Oberfläche haben.
Die angehobenen Hinterbeine besitzen viele Sinneshaare und dienen der Wahrnehmung von Luftbewegungen und mechanischen Reizen. Die Beine der Mücken sind allgemein sehr empfindlich gegenüber Erschütterungen und Bewegungen. So kann die Mücke einen nahenden Fressfeind frühzeitig wahrnehmen und weg fliegen.
Warum stechen Mücken? Was passiert bei einem Stich?
Mücken ernähren sich von Pflanzensäften, wie zum Beispiel Nektar. Die Weibchen der Stechmücken benötigen zur Bildung ihrer Eier aber Proteine. Diese Proteine gewinnen die Stechmücken-Weibchen aus Blut. Gestochen werden nicht nur wir Menschen, sondern auch andere Säugetiere, Vögel, Reptilien oder Amphibien. Die Männchen stechen nicht.
Nach der Paarung suchen sich die Stechmücken-Weibchen einen passenden Wirt, um Blut zu saugen. Dabei geben sie Speichel in die Stichstelle ab. Der Speichel enthält einen Gerinnungshemmer, so dass das Blut leichter aufgenommen werden kann. Der Hinterleib des Mückenweibchens ins dehnbar. Während der Blutmahlzeit füllt er sich mit Blut und wird dadurch deutlich dicker.
Unser Körper erkennt den Speichel der Mücke als Fremdstoff. Dadurch wird unter anderem Histamin freigesetzt. Die Reaktion unseres Körpers auf den Mückenspeichel sorgt dafür, dass der Stich anschwillt, sich rötet und juckt. Die Reaktionen sind dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Nach dem Stich wird das Blut von der Mücke verdaut. Die im Blut enthaltenen Proteine nutzt die Mücke für die Entwicklung ihrer Eier.
Mückeneier
Die Entwicklung der Eier dauert nach einer Blutmahlzeit etwa 2-4 Tage. Die Zeit ist abhängig von der Art der Mücke und der Temperatur.
Alle Stechmückenarten benötigen für die Eiablage Wasser. Manche Arten legen ihre Eier direkt in bzw. auf das Wasser, andere Arten legen ihre Eier an Stellen ab, die erst nach einiger Zeit unter Wasser kommen. Diese Eier sind resistent gegen Austrocknen und können lange Zeit nach der Ablage schlüpfen.
Culex und Culiseta kleben ihre Eier zu kleinen schwimmenden Eischiffchen zusammen. Diese Schiffchen treiben auf der Wasseroberfläche. Die Larven schlüpfen je nach Bedingungen nach 1-3 Tagen. Vor allem die Wassertemperatur ist ausschlaggebend, in warmem Wasser können die Larven bereits nach 24 Stunden schlüpfen.
Die Stechmückenlarve
Die Eier des Schiffchens öffnen sich nach unten und die Larven schlüpfen direkt in Wasser.
Die Larven besitzen am Hinterleib eine Art Schnorchel, mit dem sie an der Wasseroberfläche atmen können. Sie hängen also immer senkrecht nach unten, knapp unter der Wasseroberfläche. Nehmen sie Gefahr wahr, können sie kurzzeitig tiefer abtauchen.
Die Larven ernähren sich von organischem Material im Wasser. Mit ihren Mundwerkzeugen strudeln sie ihre Nahrung aus dem Wasser.
Es gibt immer 4 Larvenstadien: Die Larven häuten sich viermal, ehe sie sich verpuppen. Aus der Puppe schlüpft dann die ausgewachsene Stechmücke. Die Puppe ist gebogen wie ein Komma. In diesem Stadiumernährt sich die Mücke nicht. Die Puppe ist beweglich und kann bei Gefahr abtauchen.
Die Dauer der Entwicklung ist wieder abhängig von der Temperatur. Das Larvenstadium dauert etwa 5-7 Tage, das Puppenstadium 1-3 Tage.
Das Leben der Stechmücke
Die Lebenserwartung der Stechmücken hängt von der Art ab.
Bei vielen Arten leben die Männchen nur etwa eine Woche. Sie ernähren sich von Nektar und brauchen kein Blut.
Die Weibchen leben häufig etwa 2-4 Wochen. In Winterruhe können sie auch mehrere Monate überleben. Neben einer Ernährung mit Nektar brauchen sie für die Entwicklung ihrer Eier eine Blutmahlzeit. Ein Weibchen kann mehrmals Blut saugen und mehrmals Eier legen.
Was machen Stechmücken im Winter?
Je nach Art überwintern die Mücken in verschiedenen Stadien, als Ei, Larve oder erwachsenes Weibchen.
Die in Deutschland am häufigsten vorkommende Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) überwintert als erwachsenes Weibchen, vor Frost geschützt geschützt in Kellern oder Höhlen. Dort fällt es in Winterruhe. Dabei wird der Stoffwechsel stark heruntergefahren, sie nehmen keine Nahrung auf und bewegen sich kaum.
Die Mücken der anderen Culex-Arten überwintern in verschiedenen Stadien, abhängig von der Art.
Aedes-Arten wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) überwintern als Ei. Ihre Eier überstehen Kälte und Trockenheit und entwickeln sich im Frühjahr weiter. Die erwachsenen Mücken sterben im Herbst.
Mücken der Anopheles-Arten überwintern unterschiedlich: als Ei, Larve oder erwachsenes Weibchen.
Invasive Arten
Durch die Klimaveränderungen und die Globalisierung breiten sich auch die Stechmücken immer weiter aus. Milde Winter sorgen dafür, dass Mücken aus tropischen Gebieten auch in Mitteleuropa überwintern und sesshaft werden können. So können auch bei uns unter Umständen Krankheiten durch Stechmücken übertragen werden, die sonst nur aus Urlauben in enfernteren Regionen bekannt sind.
Auch im bisher mückenfreien Island wurden 2025 erstmals Stechmücken entdeckt. Grund dafür ist vor allem die Erwärmung der Arktis.
Stechmücken als Überträger von Krankheiten
Stechmücken sind in vielen Ländern gefürchtet als Überträger gefährlicher Krankheiten. Doch wie funktioniert das?
Wchtig ist, dass sich die Mücken erst durch einen Stich an einem infizierten Mensch oder Tier selbst mit einem Erreger infizieren. Solche Erreger können Viren, Bakterien oder Parasiten sind. Die Erreger werden nicht vom Weibchen an seine Nachkommen weitergegeben.
Die Erreger brauchen eine gewisse Zeit, um sich in der Mücke zu vermehren. Bei der zweiten Blutmahlzeit können sie dann über den Speichel an einen neuen Wirt weitergegeben werden. Aber nicht jeder Erreger kann von jeder Mückenart übertragen werden.
Wie kann man sich vor Mücken schützen?
Wie kann man sich vor Mückensichen schützen?
- Es wird empfohlen lange Kleidung zu tragen.
- Nachts können Moskitonetze über dem Bett schützen.
- Fliegengitter vor Fenstern und Türen verhindern, dass Mücken ins Haus gelangen.
- Mückenabwehrmittel verwenden, sie schützen aber nur eine begrenzte Zeit und müssen dann neu aufgetragen werden.
Um die Vermehrung von Mücken, besonders von invasiven Arten, zu begrenzen, werden folgende Maßnahmen empfohlen:
- Regentonnen und andere Regensammelbehälter sollten mit einem Deckel verschlossen werden.
- Auch kleine Wasseransammlungen im Freien sollten alle 1-3 Tage geleert werden.
- Tränken regelmäßig reinigen und erneuern
- Gegenstände, in denen sich auch kleine Mengen Wasser ansammeln kann, entfernen.
Citizen Science-Projekt: Mückenatlas
Seit 2012 gibt es das Citizen Science-Projekt Mückenatlas 🡕 in Deutschland. Bürger sind dazu aufgerufen gut erhaltene Mücken einzuschicken.
Die Forscher bestimmen die Art der eingesandten Mücken und man bekommt eine Rückmeldung mit Informationen zu seiner Mücke.
Ich habe dort eine Asiatische Buschmücke bestimmen lassen.
Text, Fotos: Katrin Reinheimer, 2.10.2026